Trennung statt Theater

Das Kammertheater Karlsruhe möchte durch die Mithilfe von Studenten des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) ihren Kulturbetrieb langfristig umweltbewusster und nachhaltiger gestalten. Dafür werden derzeit erste Nachhaltigkeitsmaßnahmen angegangen, die größte davon betrifft das gesamte Abfallmanagement des Kulturbetriebes in der Innenstadt.

Seit Beginn des Wintersemesters 2018/19 nehme ich, Melanie Stocker, am Seminar „Nachhaltigkeit in Karlsruhe Kulturbetrieben“teil und begleite seit Ende des vergangenen Jahres nun das Kammertheater auf dem Weg in eine nachhaltigere und umweltbewusstere Zukunft. Das Kammertheater hatte sich im letzten Jahr bei einem Aufruf freiwillig gemeldet, am Seminar teilzunehmen. Bei mehreren Treffen mit Frau Kreiner, der stellvertretenden Geschäftsführerin, und einer Azubine widmen wir uns gemeinsam einer Bestandsaufnahme des Ist-Zustandes des Theaters und erarbeiten mögliche und machbare Maßnahmen, die das Theater dann auf langfristige Sicht umsetzen möchte.

Das Thema der Nachhaltigkeit ist in unserer heutigen Welt allgegenwärtig und betrifft uns alle. Aus diesem Grund habe ich mich auch für die Teilnahme an diesem Seminar entschieden. Ich möchte nicht nur zuschauen, sondern etwas bewirken. Gerade Kulturbetriebe haben einen gro-ßen Einfluss auf die unterschiedlichsten Umweltproblematiken, so entstehen dort auch immer viele Abfälle. Dieser Problematik möchte sich das Kammertheater mit meiner Unterstützung nun intensiv widmen. „Mülltrennung wäre im gesamten Theater recht einfach umsetzbar.“, so Frau Kreiner. Grundlage der Maßnahme ist die Erstellung eines Abfallkonzepts und die Einberufung  verantwortlicher Personen oder Gruppen. Das Abfallkonzept regelt die Vermeidung von Abfällen, die Wiederverwendung, Weitergabe und das Recycling, die ordnungsgemäße Mülltrennung sowie die Entsorgung des Mülls.

Abfälle vermeiden lassen sich beispielsweise mit der Ausweitung von digitaler Werbung und gleichzeitiger Verringerung der Druckzahlen von Flyern, Plakaten und Broschüren. Viel Müll kann zudem gespart werden, wenn komplett auf Einwegprodukte wie Teller, Becher und Flaschen verzichtet wird. Produkte und Materialien sollen zukünftig erschöpfend genutzt oder nach dem Gebrauch weitergegeben oder wiederverwendet werden, nichts soll viel zu früh im Müll landen.

Abschließend sind eine ordentliche Mülltrennung und Entsorgung von hoher Bedeutung, denn nur dann können Produkte auch recycelt werden. Die Trennung im Theater orientiert sich an den Vorgaben und Vorschriften der Stadt Karlsruhe.
Demnach existiert ein Vier-Tonnen-System. „Vielleicht wäre es sinnvoll, kleine Mülleimer in verschiedenen Farben zu kaufen.“, überlegt die Azubine und meint damit die Farben schwarz, rot, blau und grün, die in der Region entsprechend für Restmüll, Wertstoff, Papier/Pappe und Bioabfall stehen. Die kleinen Müllbehälter sollen im gesamten Theater verteilt werden, die visuelle Komponente die richtige Trennung vereinfachen. „Müll wird gerade von den Schauspielern oft nur aus Bequemlichkeit in den falschen Müll geworfen.“, sagt die Azubine noch. Gerade dieser Fakt ist sehr enttäuschend und soll in Zukunft verbessert werden. Über das beschlossene Abfallkonzept müssen alle Mitarbeitenden des Kammertheaters aufgeklärt, informiert und sensibilisiert werden. Die Verantwortlichen müssen die Umsetzung des Konzepts stets kontrollieren und Ansprechpersonen für Fragen, Probleme und Wünsche sein.

Die Stadt Karlsruhe und das Amt für Abfallwirtschaft (AfA) bieten hinsichtlich der Abfallthematik kostenlose Beratungen für Gewerbe an, welche ich auch dem Kammertheater empfohlen habe und zur Vermittlung bereit wäre. Frau Kreiner lehnte dies aber ab: „Einen Kontakt zur Stadt brauchen wir nicht, das schaffen
wir doch selbst oder!?“
Ich hoffe sehr, das dem auch so ist.

Neben dieser Maßnahme zum Abfallmanagement gingen wir außerdem die Umstellung auf umweltzertifiziertes Recyclingpapier sowie die Umstrukturierung des
angesammelten Fundus an. Diese beiden Nachhaltigkeitsmaßnahmen sollen im Gegensatz zum Abfallmanagement nicht sofort, sondern erst mit der Zeit angegangen und umgesetzt werden. Wichtig ist es, erst einmal klein, Schritt für Schritt, anzufangen und später die Aktion auszuweiten und zu vergrößern. Sokann im kleinen Teil geübt, getestet und bei einer Ausweitung modifiziert werden.

Die Zusammenarbeit mit dem Kammertheater betrachte ich als positiv. Meine beiden Ansprech-personen zeigen sich sehr offen. Die Motivation und Bereitschaft, etwas zu ändern, ist da. In einigen Belangenwird mit Sicherheit Hilfe und Antrieb von außen nötigt sein, doch wird diese Unterstützung durch die Studierenden des nächsten Semesters wohl gegeben sein.

Ich bin sehr glücklich darüber, Teil dieses Seminars„Nachhaltigkeit in Karlsruhe Kulturbetrieben“zu seinund aktiv etwas gegen die Verschmutzung und Ausbeutung der Welt tun zu können. Im Seminar haben alle die Möglichkeit, ihre Ideen einzubringen und umzusetzen. Unsere Erde geht uns alle etwas an und wir sindan einem Punkt angekommen, an dem wir nicht mehr nur zuschauen dürfen, sondern handeln müssen. Die vier Kulturbetriebe, die Teil unseres Seminars sind, haben dies erkannt und sind Vorreiter für alle anderen Betriebe, die sich hoffentlich beeindrucken und anstecken lassen.

Das Kammertheater Karlsruhe befindet sich also momentan mitten in der Planung und Umsetzung verschiedener Nachhaltigkeitsmaßnahmen und somit auf dem Weg in eine umweltbewusstere und nachhaltigere Zukunft. Aufgeschlossen, wie ich das Kammertheater kennengelernt habe, sollte dieser Weg machbar sein.